Eine Erklärung des Austrian Defence Lab
Österreich muss umfassend verteidigungsfähig werden
„Österreich bekennt sich zur umfassenden Landesverteidigung“, heißt es in Artikel 9a unserer Bundesverfassung. Die Rahmenbedingungen dafür haben sich grundlegend verändert: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie zunehmende Sabotageakte, Desinformationskampagnen und Einschüchterungsversuche bedrohen Europa. Auch Österreich ist längst Ziel solcher Aktivitäten. Westliche Nachrichtendienste und militärische Führungen halten eine direkte Konfrontation mit Russland bereits in naher Zukunft für realistisch.
Ob im Österreichischen Bundesheer, in unseren Nachrichtendiensten und der Polizei, in Zivilschutzorganisationen oder in der heimischen Wirtschaft: Tag für Tag setzen sich Menschen für unsere Sicherheit ein. Sie verdienen Rückhalt, klare politische Vorgaben und zügig umgesetzte Reformen. Umfassende Sicherheit verlangt gemeinsames Handeln von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Bevölkerung. Dabei gilt es, auf das Beste zu hoffen – und auf das Schlimmste vorbereitet zu sein.
Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Erklärung, sind überzeugt:
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Österreichs Militär muss ohne Aufschub verteidigungsfähig werden.
Dafür braucht es rasch einsetzbare, gut ausgerüstete und gründlich ausgebildete Soldatinnen und Soldaten sowie ausreichend Munition und Reserven. Das erfordert einen effektiven Wehrdienst und eine einsatzbereite Miliz. Zugleich muss das Militär konsequent mit dem technologischen Wandel Schritt halten, denn Künstliche Intelligenz, Drohnen und Cyberfähigkeiten verändern Kriegführung grundlegend. Der Aufbauplan 2032 war für die notwendige Nachrüstung und Weiterentwicklung des Bundesheers ein entscheidender erster Schritt. Jetzt braucht es ambitionierte Zwischenziele für 2027 und 2029 sowie eine klare Perspektive bis 2040, abgesichert durch einen verbindlichen und langfristigen Budgetpfad.
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Österreich muss seinen Platz in Europas Sicherheitsarchitektur klären.
Dafür braucht es eine ernsthafte, gesamtgesellschaftliche und ergebnisoffene Debatte über Neutralität, unsere EU-Beistandsverpflichtung, die NATO und eine mögliche EU-Verteidigungsunion. Maßstab sind der Schutz unserer Bevölkerung, unserer Institutionen sowie unser Beitrag zur Sicherheit Europas.
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Österreich muss die militärische Zusammenarbeit in Europa stärken.
Dazu gehören eine engere Kooperation mit befreundeten Streitkräften, Nachrichtendiensten und Rüstungsindustrien sowie die Fähigkeit, bereits im Spannungsfall reibungslos mit Partnern zusammenzuwirken. Österreich muss sich zudem darauf vorbereiten, einen wirksamen Beitrag zur gegenseitigen EU-Beistandsleistung zu erbringen.
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Österreich muss seine Nachrichtendienste handlungsfähiger machen.
Sie brauchen wirksame Befugnisse, um aktiv gegen hybride Angriffe – auch im Cyber- und Informationsraum – und deren Unterstützer vorzugehen. Dass selbst enttarnte Spione in Österreich weitgehend ungehindert Agenten anwerben können, ist untragbar. Ein Spionagegesetz allein reicht nicht: Österreich benötigt durchsetzungsfähige Inlands- und Auslandsnachrichtendienste.
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Österreich muss ein verlässlicher Rüstungspartner sein.
Unsere Industrie und spezialisierten Betriebe werden für Europas Nachrüstung gebraucht und können daraus starkes Wachstum generieren. Um dieses Potential zu heben, benötigen Unternehmen und Finanzinstitute klare Regeln und langfristige Finanzierungsinstrumente. Rüstungskooperationen und Exporte unter einem modernen, EU-kompatiblen Exportregime stärken unsere Sicherheit und die unserer Partner.
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Österreich muss seine Bevölkerung umfassend schützen.
Schutzräume müssen einsatzbereit, kritische Infrastruktur geschützt und lebenswichtige Lieferketten gesichert sein. Im Krisenfall müssen staatliche Vorsorge und gezielte Anreize Sicherheit und Versorgung gewährleisten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und sinnvolle Mitwirkung ermöglichen.
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Österreich muss die geistige Landesverteidigung erneuern.
Widerstandsfähigkeit gegen Desinformation und Einflussnahme beginnt in Schulen, Medien und Familien. Eine informierte und urteilsfähige Bevölkerung, die sich mit unserer Demokratie und dem Rechtsstaat identifiziert und für sie eintritt, ist die erste Verteidigungslinie.
Unsere europäischen Partner warnen, planen, üben und bereiten ihre Gesellschaften vor. Österreich darf dabei nicht zurückbleiben. Wir wollen diese Debatte offen und faktenbasiert führen – für die strategische Handlungsfähigkeit Österreichs und Europas.
Wien, am 26. Oktober 2026